Der Link hilft mir nicht wirklich weiter. Der Sozialdarwinismus ist meiner Meinung nach keine direkte Folgerung aus dem Darwinismus/ der Evolution.
Die Phrase "Survival of the fittest" ist
a) meist falsch ins Deutsche übersetzt (wörtlich: Überleben des "Angepasstesten", nicht des Stärksten!)
b) stammt nicht von Darwin, sondern von A.R. Wallace. Sie wurde meines Wissens nach lediglich in einer späteren Auflage als Querverweis angefügt.
Sowohl Darwin als auch Wallace haben sich in ihrem Leben mehrfach heftigst von der soziologischen Fehldeutung ("Sozialdarwinismus") ihrer biologischen Theorie distanziert! Darwin hatte sogar einen geistig behinderten Sohn!
Dafür, dass die Nazis ihre Arbeit für rassistische Zwecke missbrauchten, konnten sie nichts! Das haben die Nationalsozialisten auch mit der Medizin, Physik (siehe Heisenberg) und Philosophie (Heidegger) ihrer Zeit gemacht, sogar mit der Religion!
Somit ist die Folgerung "Darwinismus => Sozialdarwinismus" problematisch. Die Evolutionstheorie hat per se vielleicht weltanschauliche Konsequenzen, aber greift nicht in die Menschenwürde ein.
Von daher verstehe ich einfach nicht, was dieses Bruno-Ganz-Zitat auf
www.progenesis.ch überhaupt soll. Es hat keine Aussage, sondern versucht nur auf "Stammtischniveau" eine Assoziationskette
Evolution -> Darwinismus -> Sozialdarwinismus -> NS-Regime/Hitler
zu suggerieren. Warum stünde es denn sonst da??? Und das finde ich gerade
a) beleidigend ggü. Leuten, die an Evolution festhalten
b) beleidigend ggü. meinem Intellekt, weil man mich als Leser mit solcher Phrasendrescherei beeindrucken will - als ob ich nicht in der Lage bin, selber zu entscheiden, woran ich glaube und woran nicht
Ich denke, dass konkretisiert meine Kritik an solchen Internetseiten und Verlagen etwas.
P.S.:
Ich bin wieder auf den Thread gekommen, weil ich letztens das Buch von Peter Hahne "Schluss mit lustig" gelesen habe, das mir von jemandem nahegelegt wurde. Damit habe ich ein ähnliches Problem: Er versteckt teilweise sinnlose bis radikale Aussagen und laienhafte theologische/philosophische "Analysen" unter einem Deckmantel von plakativen moralischen Aussagen, die man nicht ablehnen kann.
Wenn man aber etwas zwischen den Zeilen liest (fiel mir auch Anfangs schwer), dann stellt man fest, was für Ansichten von dieser Person "mittransportiert" werden, die man bei näherer Betrachtung bestimmt nicht teilt. Und ich rede nicht von seinem Glauben (den mag er haben und darf er haben)!
Vielleicht bietet sich ja die Gelegenheit dieses Buch in einem anderen Thread zu diskutieren.